| Blick,
Oktober 2004
«‹Katz und aus›. Fehlt da nicht das M? Nein.
‹Katz und aus› ist das erste Buch mit versteckten und offenen
Sprachspielereien von Star-Werber Frank Bodin (42). ‹In der Werbung
spielt man mit der Sprache. Ich liebe diese Spielerei. Deshalb habe ich
meine Liebe auf Papier gebracht. Der Unterschied zur Werbung ist, dass
ich hier mein eigener Auftraggeber bin›, sagt Bodin.»
Aargauer Zeitung, November 2005, Markus Bundi
«Er hat in der Werbung so viele Preise und Auszeichnungen gewonnen,
dass er sie kaum mehr zählen kann. Nun meldet sich Frank Bodin als
Buchautor mit einer Auswahl ‹Essenzialismen› zu Wort:
Frank Bodin, Sie sind einer der bekanntesten Werber in der Schweiz. Nun
sind Sie mit Ihrem ersten Buch ‹Katz und aus› unter die Literaten
gegangen. Wo liegt der Unterschied?
Bodin: Ich besitze das Original einer Karte von Joseph Beuys. Darauf steht:
‹Ob Werbung Kunst ist, kommt nur darauf an, wofür sie wirbt.›
Beides ist Kommunikation, die Kunst wie die Werbung. Im Gegensatz aber
zur Werbung bin ich im Fall dieses Buches mein eigener Auftraggeber gewesen
- und das war sehr reizvoll.
Sie betreiben ‹Industriepoesie›. Was soll man sich darunter
vorstellen?
Bodin: Nun, ich habe dreissig Jahre lang anderes gemacht als Werbung.
Ich habe Musik studiert, auch ein bisschen Jura, und lange wusste ich
nicht, was ich machen wollte. Ich versuchte mich in Opernregie und ich
schrieb. Ich bin dann in die Werbung gegangen, um Geld zu verdienen, klar.
Das ist eine riesige Bühne, wo man viele Leute erreichen kann, wo
man aber auch eine soziale Verantwortung hat. Jedes Mal hat man die Chance,
etwas Aussergewöhnliches zu machen. Da gibt es ganz klar Überschneidungen
mit der künstlerischen Arbeit. Die Unterschiede sind nicht allzu
gross, dennoch trenne ich die Bereiche konsequent. So ist dieses Buch
für mich und für einige mir nahe- stehende Menschen, die mich
dabei unterstützt haben. Ein irrsinniger Luxus eigentlich. Darum
habe ich auch eine riesige Freude daran.
Sind Sie nun Künstler oder Werber?
Bodin: Zwischen Kunst und Geschäft gibt es ja keinen so grossen Unterschied.
«Kunst gleich Kapital», um noch einmal Beuys zu zitieren.
Diese Formel bringt es auf den Punkt. All die Kunstformen, denen ich mich
widme, und was dabei heraus kommt, das wollte ich nie verkaufen. Ursprünglich
war ich ein miserabler Geschäftsmann. Marketing hat mich lange nicht
interessiert. Inzwischen weiss ich, wie sich was vermarkten lässt.
Zum Beispiel die Kunst.
Bodin: Das ‹System Kunst› wird heute breit genutzt. Das ist
nicht ohne Hinterhältigkeiten. Ich bin froh, dass ich bei «Katz
und aus» mit ganz wunderbaren Menschen zusammenarbeiten durfte.
Dieses Buch hat für mich etwas Reines. Ich hatte eine grossartige
und ehrliche Auseinandersetzung mit Beat Gloor, dem Herausgeber der Reihe,
wie auch mit Ursi Schachenmann, der Verlegerin. Es ging nie um Geld, es
ging allein um die Sache. Dafür bin ich sehr dankbar.
Das klingt ein wenig schizophren.
Bodin: Selbstverständlich bin ich als CEO stolz, mit einer zweiten
Agentur nun den Turnaround geschafft zu haben. Schizophren? Ich habe eine
Ambivalenz in mir, die ich schon immer hatte. Da ist eine künstlerische
Ader, die zum Chaos neigt, aber da ist auch eine extrem analytische Ader.
Ich habe sehr früh Bach analysiert - bis in die letzte Note.
Die Basis ist die Sprache. Die Werkzeuge sind also immer dieselben. Und
die Emotionen?
Bodin: Es ist ein anderes Schaffen, wenn man sein eigener Auftraggeber
ist. Das macht es so schwierig. Es ist nicht einfach, sich selbst einen
Auftrag zu geben. Man muss eigene Massstäbe finden und ansetzen.
Das Buch ist das Resultat einer rigorosen Auswahl aus Hunderten von Texten,
das, was übrig geblieben ist. Bei der Werbung hat man es mit sehr
vielen Leuten zu tun. Die Schwierigkeit liegt dabei vor allem darin, all
diese Menschen auf einen gemeinsamen Weg zu bringen.
Und das Schreiben?
Bodin: Das Schreiben dagegen ist eine sehr einsame Arbeit. Diese Einsamkeit
suche ich aber bewusst. Zuweilen bin ich komplett überfordert mit
all den Leuten. Auch wenn vielleicht einige aufgrund meiner Medienpräsenz
glauben, ich sei ein sehr extrovertierter Mensch, so wissen doch die,
die mich besser kennen, dass ich eigentlich eher schüchtern bin und
mich an grossen Anlässen extrem unwohl fühle.
|
ECHO | KONTRASTKONKRET # 2
zurück
|