«Im Abstand wahren liegt das Geheimnis der Kultur.»

 

Die geflügelten Worte von George Bernard Shaw (Video) gelten in besonderem Masse für Architektinnen und Planer, aber auch für Büchermacherinnen und Zeitschriftenproduzenten. 

 

Was wäre unsere gebaute Umwelt ohne den, hoffentlich gut gestalteten, öffentlichen Raum dazwischen? Eine Fassade ohne in stimmigen Intervallen gesetzte Öffnungen? Eine Buchseite ohne ausreichend Weissraum? Ein Absatz ohne genügend Durchschuss? Eine Buchstabenfolge ohne Wortabstand? Ein Halbgeviertstrich ohne Leerzeichen davor und danach?

 

Und wie jedes Jahr wird jener meiner Rätselfreunde mit einer kleinen Überraschung belohnt, der die letzte Frage am schnellsten (und natürlich korrekt) beantwortet.

 

Auf spannende Projekte im Jahr 2017, mit den richtigen Abständen an den entscheidenden Stellen!

Herzlich, Marion Elmer

Liebe Rätselfreunde

 

Ich bedanke mich herzlich für eure Antworten und die netten Rückmeldungen.

 

Das Halbgeviertzeichen mit Wortabständen davor und danach kennt ihr wohl alle besser unter dem Namen Gedankenstrich. Ohne diese Abstände wird daraus − wie ihr alle richtig getippt habt − ein Streckenstrich, auch bekannt als bis-Zeichen. Bsp. die Strecke Zürich−Bern, in den Jahren 2012−2015.

Grafikerinnen und Typografen setzen für die gepflegte Typografie jedoch auch vor und nach dem bis-Zeichen einen Kleinstabstand, meist 124-Geviert, den wir von blossem Auge kaum erkennen. Der Bindestrich, der kürzer ist und den wir für Wortzusammensetzungen (z.B. Jan-Tschichold-Preis) verwenden, heisst in der Fachsprache folgerichtig Viertelgeviertstrich (mehr dazu hier.)

 

Aber genug von Gevierten und Strichen: Die diesjährige Rätselkönigin heisst Susann Angst, ihres Zeichens Grafikerin. Herzlichen Glückwunsch! 

 

Und hier nochmals das Zitat des irischen Dramatikers, Politikers, Nobel- und Oscar-Preisträgers George Bernard Shaw (1856−1950) mit den richtigen Abständen und ohne Schneegestöber: «Im Abstand wahren liegt das Geheimnis der Kultur.»

 

Für die Architekturinteressierten noch ganz zum Schluss: Das Bally-Haus an der Bahnhofstrasse 66 ist ein Spätwerk der Zürcher Architekten Haefeli, Moser, Steiger (1968). Da die Fassade samt Kugeln unter Denkmalschutz steht, musste der Besitzer sich beim Mieterwechsel von Bally zu Zara etwas einfallen lassen (die ganze Geschichte lest ihr bitte hier). Hans Grüninger und das Team von der Firma WBG haben die Neuinterpretation der Kugeln gestaltet. Sie wurden dafür von «Essence 15», dem Design-Preis für zeitgenössisches Schweizer Grafikdesign, mit Silber ausgezeichnet.

 

Danke fürs Mitmachen und herzlich,

Marion Elmer